Elektrizitätsproduktion steht vor dem Wandel

Energiestrategie 2050 des Bundes

Journal 02/13 Wende Gross

Nach der atomaren Katastrophe von Fukushima hat der Bundesrat am 25. Mai 2011 den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. In der Folge hat das Bundesamt für Energie (BFE) verschiedene Zukunftsszenarien geprüft und einen Massnahmenkatalog erarbeitet.

Das «Energiepaket 2050» sieht den schrittweisen Umbau der schweizerischen Energieversorgung durch die Steigerung der Energieeffizienz, den Ausbau der Wasserkraft und der erneuerbaren Energien sowie, wenn nötig, der fossilen Stromproduktion (Wärmekraftkopplungsanlagen, Gaskombikraftwerke) und der Importe vor. Dieser neue Energiemix soll eine Energiewende ohne Versorgungslücke ermöglichen und den Anteil fossiler Energie reduzieren.

Verbesserte Rahmenbedingungen
Dazu beitragen sollen auch raschere und einfachere Verfahren für den Bau von Wind- und Solaranlagen sowie die Modernisierung und der Ausbau der Stromnetze. Zur Umsetzung der Massnahmen sind eine Totalrevision des Energiegesetzes sowie weitere gesetzliche Anpassungen nötig. In Zukunft sollen Sonne, Wind, Wasser und Biomasse einen gewichtigeren Platz in unserer Versorgung einnehmen. So werden die benötigten Mittel zur Förderung der erneuerbaren Energien über die KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung) kontinuierlich ansteigen. Das Parlament hat bereits beschlossen, dass der Zuschlag auf unsere Stromrechnung in diesem Jahr auf 0,9 Rp./KWh steigt.

Schweizer Strom-Mix heute und 2050
Das Massnahmenpaket des Bundesrats wird erst ab dem Jahr 2015 seine Wirkung entfalten. Bis 2020 wächst die Stromnachfrage weiter, unter anderem aufgrund der zunehmenden Elektro-Mobilität und der Wärmeleistungen durch Strom. Im Jahr 2011 waren am gesamten Elektrizitätsaufkommen die Wasserkraftwerke zu 53,7%, die Kernkraftwerke zu 40,7% sowie die konventionell-thermischen und anderen Anlagen zu 5,6% beteiligt (davon neue erneuerbare Energien rund 2%). Die Grafik zeigt, wie sich das Elektrizitätsangebot mit dem Massnahmenpaket bis 2050 entwickeln könnte. Über 60% der Elektrizität würde aus der Wasserkraft stammen. Die erneuerbare Stromproduktion soll um 22,6 TWh ausgebaut werden, das würde bei einer prognostizierten Gesamtnachfrage von 70 TWh über 30% der Produktion ausmachen. Der Restbedarf (weniger als 10%) würde mit fossil-thermischer Stromproduktion (Wärmekraftkoppelungsanlagen, Gaskombikraftwerke) sowie eventuell Stromimporten gedeckt.

Pessimisten und Optimisten
Der Wirtschaftsverband «economiesuisse » steht der Energiestrategie 2050 des Bundes skeptisch gegenüber. Der Verband, welcher für «kompetitive Energiepreise» und gegen «Subventionswirtschaft und Industriepolitik» kämpft, befürchtet, dass die bundesrätliche Energiestrategie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft bedrohe. Hingegen begrüssen die Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (A EE) und «Swissolar» die Stossrichtung der Energiestrategie 2050.

Diese beiden Verbände betrachten aber die gesteckten Ausbauziele als zu bescheiden und betonen, dass der Preiszerfall der Solarmodule und die damit verbundenen Absenkungen bei den KEV-Beiträgen viel schneller voranschreiten als die Prognosen der Behörden, was die Energiewende entsprechend antreiben wird. Laut «Swissolar» wäre es absolut realistisch, dass schon 2025 anstatt 2050 ein Solarstromanteil von 20 Prozent erreicht würde. Die Schweiz hat dank ihren Stauseen genügend Speicherkapazitäten zum täglichen und saisonalen Ausgleich der Solarenergie. Ende 2012 deckte die installierte Leistung von Photovoltaikanlagen in der Schweiz erst 0,6% des Strombedarfes ab.