Die Elektro Sonderer AG versorgt das Appenzell mit Solarenergie

Erfolgreich mit Photovoltaik

Journal 02/13 Sonderer Gross

Michael Koller und Marco Sonderer (v.l.n.r.) vor ihrer ersten Photovoltaik-Anlage.

Photovoltaik ist ein zukunftsträchtiger Bereich. Gesetzliche Anpassungen ebnen den Weg, Forschung und Entwicklung machen die Technologie marktfähig. Darin liegen Chancen für den Elektriker, den Geschäftsbereich zu erweitern und ein Standbein aufzubauen, zusammen mit Winterhalter + Fenner.

Nur wenige Wolken zieren am frühen Dienstagmorgen den Appenzeller Himmel. Es ist einer der wenigen Tage in diesem verregnetsten Frühling seit Beginn der Aufzeichnungen, an dem es ein paar Sonnenstrahlen auf die Erde schaffen. Mensch und Natur versuchen gleichermassen, diesen Moment so ausgiebig wie möglich zu nutzen.

Die Sonne ebenfalls nutzen möchten die Inhaber der immer zahlreicheren Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern des Halbkantons, installiert von der Elektro Sonderer AG aus Appenzell. Denn trotz der spärlichen Einstrahlung dieses Frühlings haben alle Akteure rund um PV-Anlagen blendende Aussichten.

Einstieg aufgrund von Kundenanfrage
Marco Sonderer, Geschäftsführer der Elektro Sonderer AG, und Michael Koller, Projektleiter Photovoltaik, steigen in das firmeneigene und 100% solarbetriebene Elektroauto, um ihre erste PV-Anlage zu präsentieren. «In das PV-Geschäft eingestiegen sind wir, als uns ein Stammkunde um eine Gegenofferte für eine Anlage bat», erklärt Marco Sonderer. «Das war Ende des Jahres 2011. Nun sind wir selber etwas überrascht, wie gut das Geschäft läuft.»

In Bezug auf verkaufte Module und installierte Fläche hinkt die Schweiz im Vergleich mit dem Ausland deutlich hinterher. In Deutschland betrug 2011 der Anteil von Solarstrom am Stromverbrauch 3.2%, in der Schweiz 2012 lediglich 0.6%. Seit dem Jahr 2009 und dem Start der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) steigen die Zahlen jedoch rasant an. «Die KEV ist auch uns beim Einstieg in den PV-Bereich entgegengekommen», ist sich Michael Koller sicher.

Die Elektro Sonderer AG hatte schon mit PV-Anlagen zu tun, bevor jener Stammkunde sie um eine Gegenofferte bat. «Es kam vor, dass ein Dachdecker eine Anlage montiert hatte und uns dann bat, diese ans Netz anzuschliessen», berichtet Marco Sonderer. «Wir haben damit die Verantwortung von Anlagen anderer übernommen. Denn wenn etwas nicht stimmt, ruft der Inhaber der Anlage uns an, nicht den Dachdecker.» Für Ivan Fust, PV-Spezialist bei Winterhalter + Fenner, ist deshalb klar, dass die Installation einer PV-Anlage Sache des Elektrikers sein sollte. «Der Elektriker übernimmt die Verantwortung, wenn er eine Installation anschliesst», sagt er. «Darum sollte er sie auch gleich selber montieren.»

Für die Montage benötigt ein Elektriker eine Installationsbewilligung des ESTI und muss die SUVA-Vorschriften für das sichere Arbeiten auf dem Dach einhalten. «Am besten ist es, wenn der Elektriker für die Montage die Fachkenntnisse eines Dachdeckers herbeizieht», schliesst Fust ab. Ausschlaggebend für den Schritt der Elektro Sonderer AG in den PV-Bereich war schliesslich, ihre Stammkunden mit diesem Produkt bedienen zu können. «Wir wollten es nicht riskieren, Kunden zu verlieren, nur weil wir keine PV-Anlagen montieren», begründet Marco Sonderer die Entscheidung.

Begonnen mit einer Testanlage
Eine erste Testanlage bauten sie auf dem Hausdach des Patenonkels von Marco Sonderer. «Damit hatten wir auch die Freiheit, etwas auszuprobieren und Fehler zu machen», führt er aus. Ihre erste Anlage bauten sie schliesslich auf einem Stalldach, mit einer Leistung von 81kWp und vier SMA Sunny Tripower 17’000TL Wechselrichter.

Seitdem haben sie 850 kWp verbaut. Mittlerweile sind auch noch die wenigen verbliebenen Wolken verschwunden und der blaue Himmel erstreckt sich über den Köpfen.

Die Energie der Sonnenstrahlen, die nun auf die Dächer treffen, kann dank der technischen Entwicklung immer effizienter genutzt werden.

Roman Christen, Product Manager für erneuerbare Energien bei Winterhalter + Fenner, sieht attraktive Zeiten für die Solarbranche voraus. «In den letzten drei Jahren hat sich der Preis für Solarmodule mehr als halbiert. Gleichzeitig hat sich der Wirkungsgrad seit dem Jahr 2000 verfünffacht», fasst er zusammen. Früher hätten sich Solarmodule aus Sicht der CO2-Bilanz kaum gelohnt, sagt Christen.

Aufgrund der kürzeren Lebensdauer und des schlechteren Wirkungsgrades haben sich die Emissionen bei der Herstellung später im Betrieb nicht ausgleichen können. «Heute jedoch ist die graue Energie bereits nach zwei oder drei Jahren kompensiert. Zudem ist der Strompreis auf das Niveau des Marktpreises gesunken», so Christen.

Beim Einstieg der Elektro Sonderer AG in das PV-Geschäft wirkten vor allem auch die Mitarbeiter als treibende Kraft. «Unsere Leute waren überzeugt von der Sache und es ging uns darum, etwas vorzuleben», erzählt Marco Sonderer. «Der Preis und die Marge standen dabei nicht im Vordergrund. » Denn es ist ein aufwendiger und ständiger Prozess, sich das Know-how anzueignen. «Wir mussten viel Zeit investieren, um uns über die Produkte und Problematiken zu informieren. Es gibt zwar Kurse, doch die sind nicht abschliessend», führt Marco Sonderer weiter aus. «Deshalb half bei unserem Start auch das Angebot von Winterhalter + Fenner.»

Zusammenarbeit mit Winterhalter + Fenner
Für die Durchführung eines PVProjektes bietet Winterhalter + Fenner dem Elektriker alles aus einer Hand. Dieser Rundum-Service beginnt bei der Erstellung eines Planungsdossiers, geht über die Offerte und Materiallieferung bis hin zu Statiknachweisen und Support während der Installation selber.

Der Entschluss, mit Winterhalter + Fenner zusammenzuarbeiten und die Module nicht auf dem Markt zu kaufen, basierte auf einem Sicherheitsgedanken. «Wir wollten einen Partner haben, der zu uns steht», erklärt Marco Sonderer. «Es ging um die Möglichkeit, auch nach fünf Jahren auf ihn zurückgreifen zu können.» Für Michael Koller war auch die Unterstützung von Winterhalter + Fenner wichtig. «Zu Beginn wussten wir nicht, wo wir was abklären können. Winterhalter + Fenner hatte das Netzwerk und nicht zuletzt konnte ich sie auch bei Problemen während der Installation auf dem Dach selber anrufen», sagt er.

In Zukunft soll die Solarenergie einen gewichtigen Platz in der Stromversorgung einnehmen. Es ist das Ziel von Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie, bis im Jahr 2025 20% der Stromproduktion und 20% des Wärmebedarfs durch Solarenergie abzudecken.

Fest steht, dass der Markt sich schnell wandelt. «Die Kunden wissen immer mehr und wollen eine Anlage immer schneller auf dem Dach haben», beschreibt Marco Sonderer die kommenden Herausforderungen. «Zudem steht auch immer mehr der GU-Gedanke im Vordergrund, mit dem wir konfrontiert sind. Die Leute wollen einen Ansprechpartner, nicht fünf.»

Mit der Elektro Sonderer AG hat ein Unternehmen im PV-Bereich erfolgreich Fuss gefasst und sich in nur eineinhalb Jahren ein Standbein aufgebaut. Dahinter standen die Überzeugung der Mitarbeiter, die Offenheit der Geschäftsleitung und Winterhalter + Fenner als Partner.

Am nächsten Tag führt der verregnetste Frühling seit Beginn der Aufzeichnungen sein Spiel fort und drückt weiter auf die Stimmung der Bevölkerung. Die Stimmung in der PV-Branche vermag er jedoch nicht zu dämpfen. Denn die technische Entwicklung schreitet voran, die gesetzlichen Bedingungen werden günstiger, das Know-how ist vorhanden und die Nachfrage steigt.