Weltmeister der Berufslehre

Duale Berufsbildung

Schenk Gross

Es ist laut, man hört kaum das eigene Wort. Die rund 7’000 Gäste in der Leipziger Messehalle toben, am meisten darunter die Schweizer Delegation. Samuel Schenk hat in seiner Disziplin an den Berufsweltmeisterschaften gerade die Goldmedaille gewonnen.

Die Geschichte beginnt in Bowil im Emmental, wo Samuel Schenk aufgewachsen und zur Schule gegangen ist.

Ohnehin schon technikbegeistert, wusste er spätestens nach seiner Schnupperlehre, dass er Elektriker werden will. Seine Lehre absolvierte er bei der Salzmann Elektro GmbH in Eggiwil. Der Betrieb von Inhaber Stefan Salzmann beschäftigt zwei Elektromonteure, einen Lernenden und Ehefrau Kathrin Salzmann erledigt Teilzeit die Büroarbeit. «Wir würden gerne zwei Lernende anstellen, denn Arbeit haben wir genug», erklärt Stefan Salzmann. «Doch wir erhielten in der Vergangenheit zu wenig Bewerbungen.» Schenks Ausbildung verlief von Anfang an reibungslos. An den Lehrabschlussprüfungen schloss er sie dann so gut ab, dass er sich für die Regionalmeisterschaften von Swiss Skills qualifizierte.

Förderung der dualen Berufsbildung

Swiss Skills, die Stiftung, an der alle massgeblichen Berufsbildungsinstitutionen beteiligt sind, soll die duale Berufsbildung in der Schweiz stärken. Zu diesem Zweck führt sie jährlich regionale und nationale Meisterschaften durch, an der sich über 600 Lehrabgänger in ihren Berufen messen. Die besten qualifizieren sich für die Weltmeisterschaften. «Nachdem ich mich für die Weltmeisterschaften qualifiziert habe, ging es mit den Vorbereitungen richtig los», erzählt Schenk. Dazu zählte für die Elektriker eine Woche Training pro Monat. Zusätzlich fanden Teamweekends mit Teilnehmern aus allen Berufen statt, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkten. «Privat habe ich mir ausserdem einen Trainingsraum eingerichtet, in dem ich einzelne Arbeiten weiter vertiefen konnte», führt Schenk weiter aus. «Dabei kam mir auch das Übungsmaterial gelegen, das mir Winterhalter + Fenner sponserte.»

Über einen Ausflug nach Berlin und ein Vorbereitungscamp auf Schloss Neuhardenberg kamen die jungen Profis in Leipzig an. «Wir wurden sehr gut trainiert, fachlich, mental und auch im Umgang mit Medien», berichtet Schenk. «Im Camp konnten wir uns auch nochmals entspannen. Doch als ich in Leipzig das erste Mal durch die Halle lief, wurde es schlagartig ernst.»

Hervorragende junge Schweizer

Die Aufgabe in der Elektrotechnik dauerte vier Tage, an denen je ein Modul abgeschlossen werden musste. Dafür hatten die jungen Elektriker pro Tag etwas mehr als fünf Stunden Zeit. Die Arbeitsplätze befanden sich dabei in einer Halle, die für Zuschauer frei zugänglich war. «Während der vier Tage nahm ich jedoch kaum etwas um mich herum wahr», erzählt Schenk. «Es war sogar so, dass ich teilweise erst nachträglich auf Fotos erfuhr, wer mich besuchte und mir bei der Arbeit zusah.» Am Ende war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. «Als ich fertig war, funktionierte alles. Da wusste ich, es könnte reichen.»

Das Resultat erfuhren die Teilnehmer erst am Abend der Preisverleihung, in der prall gefüllten Halle der Leipziger Messe. Die Disziplin der Elektrotechniker war eine der ersten Preisverleihungen des Abends. «Als ich auf die Bühne gerufen wurde, begann mein Puls zu rasen», berichtet Schenk. «Es war so laut, dass ich kaum etwas verstanden habe. Der Moment dann auf der Bühne, als ich gewonnen habe, war einfach nur genial. Es war ein einziges riesiges Fest.»

Mit ihrer Gesamtleistung reihten sich die Schweizer mit dem tollen zweiten Platz in die hervorragenden letzten Jahre ein. An den letzten sechs Weltmeisterschaften erreichten Sie je zweimal den ersten, den zweiten und den dritten Rang.

Samuel Schenk ist ein gutes Beispiel, wie Swiss Skills und seine Berufsverbände die duale Berufsbildung fördern. Für ihn heisst die nächste Station nun aber Rekrutenschule. Diese konnte er verschieben, um sich auf die Schweizer und Berufsweltmeisterschaften zu konzentrieren.

Danach beginnt er sein Studium an der höheren Fachschule. Ob er sich in der Haus- oder der Industrieautomation spezialisieren möchte, weiss er noch nicht. Dem erfolgreichen jungen Elektriker stehen auf jeden Fall viele Wege offen.



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