Fachgerechte Entsorgung und Verwertung: Das zweite Leben der Sparlampen

Journal 1/14 Sparlampen

Das Verkaufsverbot der Glühbirnen hat der Leuchtstoff-Sparlampe zum Durchbruch verholfen. Sie erlaubt zwar, grosse Mengen Energie zu sparen, muss aber fachgerecht entsorgt und recycelt werden. In Rubigen bei Bern betreibt die SOVAG Sonderabfallverwertungs AG, eine Unternehmung der VEOLIA Umweltservice, eine hochmoderne Recyclinganlage.

Die ersten Leuchtstofflampen vermarktete 1938 die Firma General Electric auf der Basis eines Patents von Edmund Germer. Der deutsche Physiker und Erfinder schlug damals vor, den Druck innerhalb der Quecksilberdampflampen zu erhöhen und die Röhre mit einem Leuchtstoff zu beschichten, der ultraviolette Strahlung in sichtbares Licht umwandelt.

In den 80er-Jahren fanden die ersten Miniaturisierungsanstrengungen mit den sogenannten Kompaktleuchtstofflampen statt. Seit dem Glühbirnenverbot am 1. September 2012 hat die energieeffiziente und kostengünstige Leuchtstofftechnologie einen neuen Impuls erlebt.

Herausforderung Quecksilber

Energiesparlampen sowie FL-Röhren enthalten neben Metallen und Glas auch geringe Mengen an Quecksilber (Grenzwert: 3,5 mg pro Lampe) und dürfen somit nicht mit dem Siedlungsabfall entsorgt werden. Gemäss der Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte (VREG) sind die Konsumenten verpflichtet, Leuchtstofflampen an Verkaufs- oder an Sammelstellen in den Gemeinden zurückzugeben. Händler, wie z.B. Winterhalter + Fenner, die Energiesparlampen verkaufen, sind ihrerseits verpflichtet, diese kostenlos zurückzunehmen und einer Verwertung zu übergeben.

Da die meisten der in den letzten Jahren verkauften Sparlampen in Betrieb sind und sie ihre technische Lebensdauer noch nicht erreicht haben, ist es unmöglich, verlässliche Angaben über die effektive Sammelquote zu machen.

«Von den 1’100 Tonnen, die letztes Jahr in der Schweiz gesammelt wurden, haben wir als Marktleader die Leuchmittel fachgerecht recycelt und die Sekundärrohstoffe dem Wirtschaftskreislauf zugeführt», erklärt René Amsler, Verantwortlicher Lampen-Recycling bei der SOVAG.

Recycling lohnt sich

Wird eine Energiesparlampe verwertet, statt in einer Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt zu werden, reduziert sich die Umweltbelastung um rund 15% gemäss einer Ökobilanz-Studie der Empa (Forschungsinstitution im ETH-Bereich, Zürich). Ausserdem können die in den Sparlampen enthaltenen Metalle (Kupfer, Aluminium) und das Glas zurückgewonnen sowie das Quecksilber entfernt und je nach Verfahren zurückgewonnen oder in unlöslicher Form abgelagert werden.

Eine innovative Recyclinglösung: Blubox

Seit 2011 betreibt die SOVAG die «Blubox», eine innovative Recycling-Anlage für Leuchtmittel und Flachbildschirme. Die «Blubox» vereinfacht einerseits den Entsorgungsprozess, indem sie gerade und nicht gerade Leuchtmittelformen in allen Grössen verarbeiten kann. Andererseits ermöglicht sie auch die Verwertung von LCD-Bildschirmen.

«Unsere Anlage ist ein geschlossenes System und wird im Unterdruck betrieben, sodass der schädliche Feinstaub und die Quecksilberemissionen von der Filteranlage aufgefangen und gefiltert werden», unterstreicht René Amsler.

Der Aktivkohlefilter wird regelmässig ausgewechselt und durch die Firma Batrec in Wimmis (eine Unternehmung der VEOLIA Umweltservice) reaktiviert. Sie verfügt über die Technologie, um das Quecksilber abzudestillieren und als Metall zurückzugewinnen.

Die von den Schadstoffen befreiten Materialien werden automatisch in die verschiedenen Wertstofffraktionen Glas, Kunstoffe, Eisenmetalle sowie Nichteisenmetalle getrennt. Aus Sonderabfall entsteht dadurch Wertstoff, der in den Stoffkreislauf zurückgeführt wird. Der Eisenschrott wird von der Stahlindustrie wiederverwertet, während das Glas zum Beispiel in der Glaswolleerzeugung Verwendung findet.

Auch wertvolle Metalle wie Aluminium und Kupfer werden herausgeholt. Und was passiert mit dem Leuchtstoffpulver? «Es wird seit jüngster Zeit auch aufgearbeitet. Neben Quecksilber enthält es wertvolle Metalle, die sogenannten seltenen Erden, die von der Elektronikindustrie sehr begehrt sind», erklärt Amsler.

Die LED-Zukunft

Angesichts der Beschleunigung, die in den letzten Jahren in der Entwicklung neuer LED- und OLED-Leuchtmittel stattgefunden hat, kann man davon ausgehen, dass die Kompaktfluoreszenzlampen in Zukunft durch diese neuen quecksilberfreien Lichtquellen abgelöst werden. «Seit geraumer Zeit werden bei uns die LED-Leuchtmittel aussortiert und zwischengelagert», bemerkt René Amsler.

Trotz der steigenden Verkaufszahlen von LED-Lampen wird es noch einige Jahre dauern, bis sie in genügend grosser Menge in die Recyclingströme gelangen, um eine wirtschaftlich tragbare gesonderte Recyclinglösung der seltenen Halbmetalle (Indium und Gallium) zu ermöglichen.

Weitere Informationen:
www.veolia-es.ch
www.blubox.ch

Quellen:
- Stiftung Licht Recycling Schweiz (SLRS),
- Bundesamt für Umwelt (BAFU),
- Veolia Environnement Suisse SA.