Lebenszyklus der Produkte

Eine unausweichliche Beschleunigung

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Computer, Fernseher, Autos – eine steigende Zahl von Produkten ist in unseren Industriegesellschaften von der exponentiellen Beschleunigung ihrer Leistung und ihres Lebenszyklus betroffen. Ist diese Beschleunigung unausweichlich?

Der Lebenszyklus eines Produktes sind die verschiedenen Etappen, die es von der Vermarktung bis zur Ausmusterung und Entsorgung durchlebt. Seit dem Anfang des elektronischen Zeitalters in den 70er-Jahren stellt man eine Beschleunigung des Lebenszyklus der industriellen Produkte fest, die hauptsächlich durch die schwindelerregende Leistungszunahme der neuen Mikroprozessoren bedingt ist. Diese Fortschritte haben unter anderem die Mobiltelefonie und das mobile Internet ermöglicht, wo dieses Beschleunigungsphänomen besonders bemerkbar ist. Die Smartphone- und Tablet-Hersteller lancieren jedes Jahr mehrere neue Modelle und ziehen somit auch die App-Entwickler nach sich: «Seit der Lancierung unserer ersten Applikation für das iPhone im April 2011 haben wir schon fünf Generation von Apps hinter uns», erklärt Simon Andres, Projektleiter eBusiness bei Winterhalter + Fenner.

Nicht nur Computer sind betroffen

Chip-Hersteller ziehen die ganze Kette der elektronischen Produkte nach sich. Ausserdem zwingt der ungebremste Wettbewerb die Hersteller dazu, die Auswahl an Modellen zu vervielfältigen. Zum Beispiel hat die LCD- und LED-Technologie den Fernsehgerätemarkt revolutioniert. Während man bis in die 90-er Jahre einen Fernseher durchschnittlich alle zehn oder zwölf Jahre ersetzte, ist es heute gang und gäbe, dass man ihn nach sechs Jahren schon entsorgt. Nicht weil er defekt wäre, sondern weil er nicht mehr für die neuen digitalen HDFormate und das Internet taugt. Darüber hinaus spielt auch die Ästhetik eine zunehmende Rolle in unserer Konsumgesellschaft. Dies ist besonders sichtbar in der Automobilbranche, wo die Hersteller dem Design der Karosserie und des Innenraumes grösste Aufmerksamkeit schenken, um die Blicke der Käufer anzuziehen. In diesem Neuheitenwirbel wird es für den Konsumenten immer schwieriger, zwischen echten Innovationen, die ihm tatsächlich einen Mehrwert bringen, und reinen kosmetischen Anpassungen, die den Kauf ankurbeln sollen, zu unterscheiden.

Beschleunigung auf Kosten der Umwelt?

Die Problematik der immer kürzeren Lebenszyklen der Produkte ist auch vom Standpunkt der Nachhaltigkeit fraglich, denn sie verursacht Unmengen an Abfall. Allein in der Schweiz wurden 2013 131'000 Tonnen Elektroschrott gesammelt. Auch wenn ein Teil davon fachgerecht in der Schweiz verwertet wird, ist die Transparenz der Recyclingkette nicht immer gewährleistet, da ein Teil des Elektroabfalles als Occasionsware in Drittweltländer exportiert wird. Dazu kommt, dass ein nicht zu unterschätzender Teil der ausgemusterten Produkte durch Unwissenheit der Benutzer im Hausabfall landet. Möchte man also die Umweltbelastung eines Produktes minimieren, ist es unentbehrlich, seine Qualität und Langlebigkeit zu berücksichtigen.

An drei konkreten Beispielen aus unserer Branche zeigen wir Ihnen, wie neue Technologien auch zu mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit führen können.

Nachhaltige Beleuchtungssysteme

Dank des Aufkommens von LED hat die Beleuchtungsindustrie, im Gegensatz zu den meisten anderen Sparten der Elektronik, die Lebensdauer ihrer Produkte verlängert. Während Glühlampen eine Lebensdauer von ca. 1’000 Stunden aufweisen, erreichen Leuchtdioden 25’000 Stunden oder mehr. Verschiedene Studien bestätigen die Befunde des Herstellers Osram, nach welchen die globale Energiebilanz der LED-Lichtquellen viel besser ist als diejenige der ehemaligen Glühlampen, obschon die LED mehr Herstellungsenergie bedürfen. Diese zusätzliche Primärenergie wird durch die Lebensdauer der LED-Leuchtmittel, die 25-mal länger, und durch deren Konsum, der fünfmal tiefer ist, weitgehend kompensiert. Vergleicht man eine 40-W-Glühbirne mit einer 8-WLED-Leuchte mit derselben Lichtstärke, erweist sich die Energiebilanz der LED-Technologie als 80% sparsamer.

Langer Lebenszyklus der Photovoltaik-Anlagen

Was die PV-Infrastrukturen betrifft, sind die Perspektiven auf Langlebigkeit auch sehr erfreulich. Entscheidet man sich für erstklassige Module und investiert man in den Unterhalt der Anlage, hat man gesicherte Energie für mindestens 25 Jahre, oft sogar viel länger. In der Schweiz haben wir zum Beispiel die älteste ans Netz gekoppelte PV-Anlage der Welt. Es handelt sich um eine 10-kWAnlage mit 288 monokristallinen Siliziumzellen, die 1982 auf dem Dach der SUPSI (Fachhochschule der italienischen Schweiz in Lugano) montiert wurde. Sie hat schon über 200'000 kWh ins Netz eingespeist und erzeugt jeden Tag weiter Strom. Auch wenn sie schon mehreren Revisionen unterzogen wurde (z. B. Ersatz des Wechselrichters), sind die Solarmodule immer noch die originalen. Die Ökobilanz der Anlage ist hervorragend: «Eine gut unterhaltene PV-Anlage liefert zehnmal mehr Energie, als für ihre Herstellung benötigt wurde. Mit der Photovoltaik investiert man also in eine nachhaltige Technologie mit einem langen Lebenszyklus», bestätigt Roman Christen, Spezialist für erneuerbare Energien bei Winterhalter + Fenner.

Gebäudesteuerungstechnik: eine langfristige Investition

Mit der Entwicklung der Gebäudesteuerungstechnik Hat die Elektronik in der Steuerung der Elektroinstallationen Einzug gehalten. Muss man jetzt um die Langlebigkeit der Installationen fürchten? Der Vorteil eines Systems wie KNX ist, dass es sich um einen internationalen Standard handelt, der seit über 20 Jahren im Markt und mit den Produkten zahlreicher Hersteller kompatibel ist. Daraus folgt, dass es sich bei der Basisinfrastruktur des Systems, dem Bus-Netzwerk für die Datenvermittlung, um eine langfristige Investition handelt, die übrigens zur Werterhaltung eines Gebäudes beiträgt. Was den Zentralcomputer, die angeschlossenen Aktoren und die Steuerungspanels anbelangt, die entwickeln sich natürlich wie alle anderen elektronischen Geräte nach dem technologischen Fortschritt. Das heisst aber noch nicht, dass sie wie ein Laptop alle zwei Jahre ersetzt werden müssen! Viele Hersteller bieten skalierbare Lösungen an, die es erlauben, die Installation allmählich dem Stand der Technik anzupassen, ohne die Basisinfrastruktur auszuwechseln.

«Der Nachhaltigkeitsaspekt in der Gebäudesteuerung muss nicht nur in Bezug auf die Infrastruktur selbst betrachtet werden, sondern auch in Zusammenhang mit dem Beitrag der Installation zur Energieeffizienz eines Gebäudes», erklärt Gino Miceli, Spezialist für Gebäudesteuerung bei Winterhalter + Fenner. In der Tat ist ein Gebäude, das mit einer intelligenten Automationsanlage ausgestattet ist, nicht nur gemütlicher und sicherer, sondern auch sparsamer. Sei es mit einer optimierten Heizungs- und Beleuchtungssteuerung oder dank einer geeigneten Bedienung der Storen und der Fenster. Das Energiesparpotenzial kann bis 30% betragen.

Zum Schluss

Der eindrückliche Fortschritt der Elektronik hat zweifellos das Tempo unserer Gesellschaft erhöht und stellt unsere Elektrobranche vor neue Herausforderungen. Er eröffnet aber gleichzeitig auch neue interessante Geschäftsfelder. Sei es die Umstellung der Beleuchtungssysteme auf LED-Lösungen, die Planung und den Bau von PV-Anlagen oder die Ausstattung von Gebäuden mit Automationsanlagen. Es handelt sich um neue, spannende Gebiete, die einen andauernden Einfluss auf unseren Beruf in der Elektrobranche haben werden. Ergreifen wir jetzt diese Chance!



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