Elektromobilität: Gekommen, um zu bleiben

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Der Elektromotor steht in einer vielversprechenden Position, die primäre Antriebsquelle unserer künftigen Verkehrsmittel zu werden. Doch auch wenn viele Gründe für die Technik sprechen, der Wandel wird noch viele Jahre dauern und ist auf treibende Kräfte angewiesen.

Eine ganze Reihe von Faktoren hat in den letzten Jahren an der Vormachtstellung des Verbrennungsmotors gerüttelt und ist dabei, ihn zu Fall zu bringen. Die drohende Erschöpfung der fossilen Treibstoffe, aber auch Umweltbelastungen durch Lärm, Feinstaub oder CO2-Emissionen zwingen die Gesellschaften, ein alternatives Antriebssystem zu suchen.

Die Elektromobilität steht in diesem Rennen gegenwärtig in der Poleposition. Sie vereint einige Lösungsansätze zu aktuellen Problemen, und verschiedene Anzeichen deuten darauf, dass sich diese Technik durchsetzen könnte. Doch für ein elektromobiles Zeitalter ist weit mehr als nur ein batteriebetriebenes Auto notwendig. Stattdessen bedarf es eines komplett neuen Marktumfeldes.

Wie dieses neue Umfeld rund um die Elektromobilität theoretisch aussehen müsste, sind sich die Experten weitgehend einig. Doch wie der Wandel schliesslich konkret vollzogen wird, lässt sich heute kaum verlässlich prognostizieren. Zu viele Faktoren beeinflussen die Entwicklung, welche immer noch in ihrer Pionierphase ist.

Voraussetzungen für das elektromobile Zeitalter

Für eine elektromobile Zukunft braucht es allem voran gute Produkte und Dienstleistungen, welche die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung erfüllen und für sie bezahlbar sind. Damit die Elektrofahrzeuge gebraucht werden können, ist weiter eine ausgebaute und zugängliche Infrastruktur notwendig. Diese umfasst zum Beispiel die viel diskutierten Schnellladestationen. Auflademöglichkeiten zu Hause und am Arbeitsplatz werden aber weit wichtiger sein, da die Fahrzeughalter an diesen Orten die meiste Zeit verbringen.

Für den Aufbau einer Infrastruktur sind wiederum die politischen Rahmenbedingungen entscheidend.

In der Schweiz spricht der Staat keine Subventionen, wenn nur eine Technik davon profitiert. Deshalb werden keine Ladestationen subventioniert. Private Investoren lassen sich jedoch nur finden, wenn Gewinnaussichten bestehen und keine grossen Risiken involviert sind. Diese Grundlagen kann die Politik beeinflussen, indem sie z.B. Bestimmungen über den Zugang und Mindestanforderungen zum Ladestrom oder die Dichte des Ladenetzes erlässt.
Eine weitere Voraussetzung ist ein Kulturwandel in der Bevölkerung. Die Elektromobilität ist eine neue Art der Mobilität. Vorurteile wie «zu teuer», «zu geringe Reichweite» oder «keine zuverlässige Batterie», müssen abgebaut werden. Auch handelt es sich beim Auto um einen Gegenstand, der emotional sehr stark aufgeladen ist. Dessen Besitz ist für viele gleichbedeutend für Freiheit und Unabhängigkeit. Die Elektromobilität und deren veränderte Fahrzeugnutzung wird als Einbusse dieser Freiheit wahrgenommen und erscheint deshalb als nicht wünschenswert.

Vielversprechende Anzeichen

Diese Voraussetzungen betrachtet, sprechen einige Anzeichen dafür, dass sich die Elektromobilität durchsetzen und der Verbrennungsmotor als Antriebsquelle ablösen könnte:

Jedes Jahr investiert die Automobilbranche Milliarden in die Forschung und Entwicklung von Elektroautos. Es kommen immer mehr Modelle auf den Markt, die ihren Vorgängern in Leistung und Preis überlegen sind.

Auch der nötige Kulturwandel hat bereits begonnen. In der Gesellschaft verändert sich das Verständnis und Verhalten gegenüber der Mobilität. Sie wird vermehrt als Service verstanden, sodass der Zugang zu einem Auto wichtig wird, nicht mehr dessen Besitz. Fahrzeuge werden geteilt oder gemietet. Das schlägt sich zum Beispiel auch in den Absatzzahlen von Neuwagen bei unter 25-Jährigen nieder.

Nicht zuletzt belastet die schlechte Luftqualität die Bevölkerung und verleiht der Elektromobilität Nachdruck. Alleine in Europa sind ca. 40 Millionen Menschen davon betroffen. Dies hat direkte Auswirkungen auf jede Person, verursacht jedoch auch für die Volkswirtschaft hohe Kosten. Deshalb sind Konsumenten und Regierungen gleichermassen interessiert an einer emissionsfreien Mobilität.

Einflussfaktoren während des Wandels

Die Elektromobilität befindet sich somit in einer guten Ausgangslage. Doch in welcher Art und in welchem Tempo sich der Wandel letztlich realisieren wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab.

Einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zufolge wird unsere elektromobile Zukunft vor allem vom «Mobilitätsbewusstsein in der Bevölkerung» und der «Preis-Leistungs-Fähigkeit der Batterietechnologie» beeinflusst werden.

Das «Mobilitätsbewusstsein» äussert sich in der Akzeptanz gegenüber Elektrofahrzeugen und in Kundenanforderungen an neue Produkte, Dienstleistungen und Infrastruktur.

Die Batterietechnologie ist insofern zentral, weil sie wesentlich den Preis eines Elektroautos und dessen Reichweite bestimmt. Diese zwei Grössen hindern derzeit breite Bevölkerungsteile noch, sich ein Elektrofahrzeug anzuschaffen.

Grosse Unklarheiten bestehen jedoch noch in vielen weiteren Bereichen, die unseren Alltag bestimmen werden: An welchen Standorten werden Ladestationen installiert? Wer baut und betreibt diese? Welche industrieübergreifenden Partnerschaften entstehen? Wie geht die Stromversorgung mit den neuen Anforderungen um? Wie wird die Strasseninfrastruktur finanziert, wenn die Mineralölsteuer sinkt? Welche politischen Massnahmen beeinflussen Angebot und Nachfrage? Wie begegnen andere Länder den neuen Herausforderungen?

Elektromobilität in der Schweiz

In der Schweiz sehen viele Experten und Branchenteilnehmer einen fruchtbaren Boden für die Elektromobilität. Die Konsumenten verfügen über eine hohe Kaufkraft und haben ein starkes Umweltbewusstsein. Das sind ideale Marktbedingungen.

Damit der Wandel auf Schweizer Strassen schneller realisiert wird, haben am Elektromobilitätsmarkt beteiligte Unternehmen aus Industrie, Automobilbranche, Telekommunikation, Mobilitätsdienstleistung und Energieversorgung den Verband «Swiss eMobility» gegründet.

So setzte sich «Swiss eMobility» in der letzten Parlamentsdebatte um die Energiestrategie für bessere Rahmenbedingungen von Schnellladestationen auf Raststätten ein. Auch möchte der Verband in der SIA Norm eine Anpassung in Bezug auf das Verlegen von Leerrohren beim Bau oder der Sanierung von Einstellhallen bewirken.

Ein Grossprojekt von «Swiss eMobility» ist die Koordination rund um den Aufbau eines schweizweiten Netzes an Schnellladestationen namens «EVite». Das Ziel sind 150-250 Stationen, wovon aktuell ca. 40 gebaut wurden. Die Stationen erlauben es den Elektroauto-Besitzern, ihr Auto in 20 Minuten nachzuladen und sind mit drei verschiedenen Steckern kompatibel für alle auf den Strassen zugelassenen Modelle.

Des Weiteren führt und unterstützt der Verband Projekte, um in der Bevölkerung Vorurteile gegenüber der Elektromobilität zu mindern und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Auf der Gesetzesebene wurden im vergangenen Jahr ausserdem nochmals tiefere CO2-Grenzwerte für Personenwagen festgelegt. Der neue Wert, 95 g/km ab dem Jahr 2021, entspricht einer Reduktion von über 30% und wird ohne Elektroautos nicht erreichbar sein.

Langsamer als erhofft

Mit diesen Aussichten und Aktivitäten scheint eine Umstellung auf die Elektromobilität unausweichlich. Doch darf dabei der Bezug zur Realität nicht verlorengehen. Denn aktuell fahren auf Schweizer Strassen noch nicht einmal ein Prozent der Fahrzeuge mit einem Elektroantrieb.

Es ist somit noch ein langer Weg, bis sich die Technologie durchgesetzt haben wird und es wird vermutlich länger dauern, als sich manch einer erhofft.

Für vertiefte Informationen zur Elektromobilität in der Schweiz verweisen wir Sie gerne auf den Bericht «Elektromotilität 2012» des Bundesamtes für Strassen ASTRA, die Schweizer Road Map zur Elektromobilität, «Swiss eMobility» und auf die «Zukunftsstudie Elektromobilität Schweiz 2030» der ZHAW.



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