Flammwidrigkeit vs. Feuerbeständigkeit

Während vieler Jahre war der Ausdruck flammwidrig, verbunden mit der grauen Farbe, gleichbedeutend mit der Eignung für den Einbau in brennbare Materialien wie Holzwände, Holzdecken und ähnlichem mehr. Diese "Sprachregelung" betraf insbesondere Einlasskasten und Rohre in Holz- und Hohl-Wände aus Gipskarton. Seit einiger Zeit ist das nicht mehr so.




Norm ist seit 2005 gültig

Die Niederspannungs-Installationsnorm (NIN) 2005 sagt im Kapitel 4.8.2.3 §2 folgendes aus:

Flammwidrigkeit gross
  • Betriebsmittel wie Installationskästen, Schaltgerätekombinationen und dergleichen, die in brennbaren Hohl-wänden eingebaut werden, müssen in Übereinstimmung sein mit den Prüfanforderungen der massgebenden Normen. Man verweist hiermit auf die EN 60670-1:2005.

Die EN 60670-1:2005 wurde per 01.10.2005 in Kraft gesetzt. Nach einer Übergangsfrist von 2 Jahren wird die vorgängige prEN 60670-1:2003 ausser Kraft gesetzt. Das heisst konkret, dass ab diesem Datum Produktprüfungen nur noch nach der gültigen Norm, also der EN 60670-1:2005 durchgeführt werden. Ist die Prüfung bestanden, hat ein ausgestelltes Sicherheitszeichen-Zertifikat neu eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren.

Der nachfolgende Punkt, der immer wieder zu Diskussionen Anlass gibt, spielt für den Elektroinstallateur eine massgebende Rolle:

  • Abschnitt 18 – Beständigkeit von Kunststoffen gegen übermässige Wärme und Feuer.

Die EN 60670-1 geht im Abschnitt auf diese Problematik ein. Als Erstes wird die Klassierung der Dosen und Gehäuse gemacht. Im Abschnitt 18 wird festgelegt, dass die Prüfung von Dosen und Gehäusen für Hohlwände und Ähnliches durch Glühdrahtprüfung bei 850°C zu erfolgen hat. Mit dem Prüfaufbau und dem genauen Ablauf der soeben erwähnten Glühdrahtprüfung befasst sich die IEC 60695-2-11. Diese schreibt die genaue Temperatur, klimatische Umgebung, Masse des Drahtes und Einwirkzeit vor. Der Begriff schwerbrennbar stammt aus der VKF-Brandschutzrichtlinie, Baustoffe und Bauteile Klassierung und gelangt nur zur Anwendung, wenn eine Baute oder Anlage unter die Kriterien für Brandschutzanforderungen fällt.

Bedeutung für den Elektroinstallateur?

Die Farbe grau und die Bezeichnung flammwidrig oder feuerhemmend besitzen keine normative Gültigkeit im Sinne der NIN oder EN 60670-1 mehr und existieren somit auch nicht mehr.

  • UP-Dosen und Einlasskasten für Einbau in Hohldecken, Hohlwänden und auf brennbare Teile müssen die Glühdrahtprüfung für 850°C bestanden haben.
  • UP-Dosen und Einlasskasten für Einbau in Mauerwerk oder auf nicht brennbare Unterlage müssen die Glühdrahtprüfung für 650°C bestanden haben.

Fazit

Der Elektroinstallateur kann sich nicht mehr auf die Farbe der Materialien und auf die Ausdrücke „flammwidrig“ und „feuerhemmend“ stützen, den sie haben keine normative Gültigkeit im Sinne der NIN oder EN60670-1 mehr. Er setzt gut daran, nur zertifizierte Produkte einzusetzen. Im Zweifelsfall kann er das Zertifikat beim Händler oder Hersteller anfordern.